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1945 - in den Köpfen vieler Menschen sah es dunkel und leer aus und in den Herzen auch. Die niederdeutsche Bühne war aktiv. Mit ihrem Spiel wollte sie den Menschen die dunklen Gedanken vertreiben, ihre Herzen mit Mut und Zuversicht füllen. "Up Düwels Schuuwkoor" von Karl Bunje kam gerade recht, 55 ausverkaufte Vorstellungen fanden statt.

1948 - das Theater in Wismar brannte bis auf die Grundmauem nieder. Eine würdige Spielstätte, die der plattdeutschen "Kumedienmakers", hatte aufgehört zu existieren. lm gleichen Jahr starb Willi Tack, der Bühnenleiter, Regisseur und Spieler. Wat nu? Wo spielen? Die alten Mitglieder erinnern sich: "Wi sünd vun't Volkshus in de "Sünn", in de Wallhall un werrer in de "Sünn" trocken, dat wier een henn un her."

Bald nach Kriegsende fanden sich die Mitglieder zu neuem Spiel zusammen, und fast 40.000 DM konnten für die Errichtung des neuen Theaters an der Parkstraße zusammengespielt und gesammelt werden.


Willi Tack mit Elli Jessen-Somann
in "Blaue Amidam"
So wie die Spielstätten wechselten, so wechselten auch die Bühnenleiter. Paul Wendt übernahm das Steuer, danach Käthe Ertel, Erwin Freier, Heinz Steinhagen, Gerhard Schulz und Walter Thielke.

Aber es wurde gespielt!

Und die Niederdeutsche Bühne erspielte und sammelte für die Errichtung eines neuen Theaters an der Parkstraße 40.000,- DM. Vierzigtausend Mark - vun de Plattdütschen för dat Wismersch Theater!


Hermann Oeser, Walter Thielke, Paul Wendt,
Gerhard Schulz in "Dat Horoskop"
"Glanzjahre" waren die 50er Jahre mit jährlich zwei bis drei Premieren. Höhepunkt war die Uraufführung des Stückes "Mien Mann, de fohrt to See" von Wilfried Wroost. 52 Vorstellungen waren Lohn für fleißige Arbeit.

Auch für Kinder wurde gespielt. Die Märchen "De lütte un de grote Klaas" und etwas später "De Fischer un sien Fru" haben nicht nur den kleinen Zuschauern Freude gemacht. Ältere Spieler und viele Zuschauer denken heute noch mit Schmunzeln an Stücke wie "De olle Pischfru", "Dat Horoskop" oder "Keen Utkamcn mit't Inkamen".

Keiner kann sagen, wie es geschafft wurde, nach der Berufsarbeit die Proben und Vorstellungen zu realisieren.

Wenn erzählt wird, geschieht es mit Begeisterung: "1958 geew dat 131 Vorstellungen. An'n Nahmiddag würd inlad't - Kulissen, Klamotten, Belüchtung allens rup up een'n Planwagen, toletzt de Spatens un de Maaten vun de Technik middenmang. Un aw güng dat! In den' Spälurt wertet utladen, upbugen, oft müsst' de Bühn ierst awrühmt ward'n. Oewer jedereen wüsst, wo he totogriepen harr. Fix een Tass Kaffee, een Bockwurst un rin in de Kledaaschcn, ran an de Schmink und dat Spill künn losgahn!"


Käthe Schröder, Paul Wendt, Karl Frahm, Erwin Freier,
Horst Dethloff in "De vergnögte Tankstell"
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