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In den 60er Jahren gab es neue Probleme: das Fernsehen gewann immer mehr Anhänger, das Theater verlor Zuschauer. Man orakelte vom Untergang der plattdeutschen Sprache. Die Wismarer niederdeutschen Theatermacher waren anderer Meinung: "Plattdütsch läwt!"

Es kam zur endgültigen Trennung Ost-West. Im Westen verlegte Stücke durften nicht mehr gespielt werden. Im Osten gab es aber nur wenige, die den Mut hatten, niederdeutsche Stücke zu schreiben, denn immer wieder wurde von staatlicher Seite bezweifelt, ob die geforderte Ideologie in plattdeutscher Sprache vertreten würde.

Probleme, Schwierigkeiten, dazu kam eine Veränderung in der Leitung der Wismarer Bühne, de Baas würd´ weiblich: Lisa Kuß. Seit 1967 bis zum heutigenTag weist sie den plattdeutschen Maaten den Weg, ist Regisseur und Spieler.

Über 44 Jahre ist Lisa Kuß Mitglied der Nieder-deutschen Bühne Wismar, davon 73 Jahre als Bühnen- bzw. Künstlerischer Leiter, das ist einmalig in der niederdeutscben Bühnengeschichte unseres Landes.

Ganz beharrlich sucht Lisa Kuß neue Wege, will beweisen, dass die plattdeutsche Sprache lebt und pflegenswert ist. Es entstanden abendfüllende bunte Programme. "Riemels up Platt" - da kamen viele zu Wort, die einen Namen in der niederdeutschen Literatur hatten. "Da stimmt wirklich jede Nuance" stand damals in der Zeitung und die Niederdeutsche Bühne Wismar hatte bewiesen, dass auch die "kleine Form" ganz groß sein kann.

Bei der Suche nach plattdeutschen Autoren und neuen Stücken einstand aus Vorschlägen und Ideen der Bühnenmitglieder das Stück "De Boots an de Angel".

Geschrieben wurde es von Hans Draehmpaehl (hier rechts im Bild) und es blieb nicht bei dem einen. Hans Draehmpaehl schrieb 20 Jahre für die Bühne in Wismar.

Als gebürtiger Wismarer und Bruder von Lisa Kuß, kannte er nicht nur alle Spieler, sondern auch die Verhältnisse der Bühne genau und schrieb seine Stücke den Bübnenmitgliedem fast "auf den Leib".

Die Wismarer Bühne bewarb sich mit seinem Stück "De Hoot hett keenen Daler kost" 1970 zur Teilnahme an den "Arbeiterfestspielen" und löste bei der Auswahlkommission großes Erstaunen aus, denn keiner der Genossen wollte glauben, dass es in der DDR Theatergruppen gäbe, die nicht unter staatlicher Aufsicht stehen würden und keinen "Trägerbetrieb" hätten. Von Rechts wegen hatte die Bühne als "Privater Verein" bei den von der Gewerkschaft organisierten Festspielen nichts zu suchen. Die Vorstellungs- und Zuschauerzahlen und die durch eine Kommission festgestellte Leistungsstärke der Bühne gaben den Ausschlag, die Bühne zur Teilnahme zuzulassen.

Die Zeitung schrieb dann: "Die einzige niederdeutsche Bühne war ein erfreulicher Farbtupfer in der Palette der Arbeitertheater".

Es war wohl die Resonanz der Zuschauer, welche die Kommission zur Vergabe der Goldmedaille an die Wismarer Bühne zwang. Nun hätte die Bühne auch einen "Trägerbetrieb" in Wismar bekommen können, allerdings nicht als "Niederdeutsche Bühne Wismar", sondern als "Arbeitertheater der Matbias-Thesen-Werft". Die plattdeutschen Maaten wollten nicht.

Sie erhielten sich und ihren Zuschauern bis zum heutigen Tage die selbstständige "Niederdeutsche Bühne Wismar".

Es wurde später lediglich ein .,Fördervertrag" mit dem VEB Seehafen Wismar geschlossen, der auch von der jetzigen Seehafen GmbH Wismar übernommen wurde. Freundschaftliche Beziehungen, die von Bestand sind - nicht alltäglich!

Mareile Schuldt, Kerstin Beyer, Willi Kuß, Monika Möller, Erich Schuldt, Paul Martens und Walter Thielke in "Ede hett Urlaub"
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